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Das postfaktische Zeitalter reloaded: Terrorhetze im Internet

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Wie wir schon im ersten Teil dieser kleinen Serie feststellen konnten, wenden sich immer mehr Menschen den Ideen und Theorien von Rechtsextremen und Demagogen zu. Wir stellten uns die Frage, warum immer mehr Menschen den Trumps, Straches und Farages dieser Welt glauben und folgen wollen, obwohl diese nachweislich (!) ihre Wähler belügen und übers Ohr hauen.

Den ersten Beitrag zu dieser Serie findest du mit einem Klick hier.

Steigende Arbeitslosigkeit und sinkende Löhne

Zum einen einmal sind es die sozialen und ökonomischen Umstände, die die Menschen sich von den sogenannten “etablierten” Parteien abwenden lässt. Jahrelang konnten Politiker das Versprechen halten, dass es den Kinder besser gehen werde als den Eltern. Finanz- und Schuldenkrisen, steigende Arbeitslosigkeit und sinkende Reallöhne können dieses Bild nicht mehr aufrecht erhalten. Rein ökonomisch gesehen haben es junge Erwachsene heutzutage viel schwerer, sich ein geordnetes Leben aufzubauen, eine Familie zu gründen und nicht in finanzieller Not Kinder aufzuziehen.

Die Leute merken, dass irgendetwas im System nicht stimmt, und strömen in Scharen zu denen, die sich erfolgreich als “Außenseiter dieses Systems” stilisieren. Dass das wirtschaftliche und soziale Programm der Rechten die oben genannten Probleme noch weiter verschlimmern würde, ist den Wähler offensichtlich egal. Hauptsache sie haben “denen da oben” gezeigt, dass sie unzufrieden sind.

Von Islamisierung, Flüchtlingskrise und Überfremdung

Ein zweiter Grund ist die Flüchtlingskrise. Diese war der Katalysator für die vielen “Scheinängste”, die ich schon in Teil 1 benannt habe. “Islamisierung”, “Überfremdung” oder “Vergewaltigende Horden von Flüchtlingen” seien hier nur erwähnt. Das ist reines politisches Kalkül. Mit der Angst vor irgendeinem imaginären Feind, der einen bedroht, lassen sich einfach am meisten Stimmen generieren. Schon Hermann Göring, Oberbefehlshaber während der NS-Zeit, sagte: “Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.” Bezeichnend. Einer der einflussreichsten Nazis beschreibt eigentlich 1zu1 die Wahltaktik der Rechten. Und so viele Menschen fallen drauf hinein und lassen sich manipulieren.

Dazu kam, dass der Großteil der Menschen ihre fremdenfeindliche Meinung nicht in der Medienlandschaft widergespiegelt sah. Von den Medien enttäuscht wandten sie sich anderen Informationsquellen zu, bestärkt von den Demagogen, die ihnen einreden, die klassischen Medien seien Teil des Systems und dürften die Wahrheit nicht erzählen. Deshalb haben rechtsextreme Blogs wie unzensuriert und Breitbart seit letztem Jahr einen so enormen Zulauf. Während die klassischen Medien einen großen Rücklauf verzeichnen müssen.

Die allgegenwärtige Lügenpresse

Ein weiterer Grund ist das mangelnde Vertrauen in ehrenhafte Institutionen, die sich der Wahrheitssuche verschrieben haben, Universitäten, Forschungseinrichtungen und Experten. Nachdem sie es anscheinend nicht geschafft haben, Theorien, Vorhersagen und Modelle zu liefern, die ein besseres Leben für alle garantieren würden, verloren die Bürgerinnen und Bürger das Vertrauen in eben jene Institutionen. Vielfach hört man, dass Volkswirte den Kollaps des US-Immobilienmarktes 2007 nicht haben kommen sehen.

Doch in Wirklichkeit gab es viele, die genau davor warnten, auch die Politiker und Wirtschaftsbosse, die dann eben die Dreistigkeit besaßen, diese Warnungen zu ignorieren. Der Satz “Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast”, ist auf Pegida und AfD Facebookseiten ebenso allgegenwärtig wie “Lügenpresse” oder “Massenzuwanderung”. Durch Google ist jeder sein eigener Experte. Wissenschaftliche Methodik wird völlig über Bord geworfen. Fakten, die das eigene Weltbild nicht bestätigen, werden ignoriert oder als Lüge gebrandmarkt. Und meldet sich mal einer der Experten zu Wort, ist er nur ein “Teil des Systems”, kann also unmöglich die Wahrheit sagen. Wenn aber auf einmal jeder Recht hat, so hat niemand Recht.

Das ist eine sehr gefährliche Entwicklung, die sich gerade vollzieht. Demokratie kann nicht ohne Vertrauen in Wahrheit, Fakten und rationale Herangehensweisen überleben. Politik sollte nicht die Bewirtschaftung von Launen und Gefühlen sein, sondern der ernsthafte Wille, auf Basis der Realität zu regieren. Und zwar der echten Realität, die sich in Statistiken widerspiegelt, nicht der gefühlten.

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